Große Veränderungen erwarten die Branche
2026 wird ein Schlüsseljahr für das Finanzwesen: Künstliche Intelligenz entwickelt sich zum persönlichen Finanzassistenten, dezentrale Plattformen gewinnen gegenüber klassischen Banken an Bedeutung, und Buy-Now-Pay-Later wird durch strengere Regulierung sicherer und transparenter. - Quelle: Shutterstock.com
Im Finanzwesen sind große Veränderungen im Gange. Neue Trends bestimmen, wie wir künftig bezahlen, investieren und mit Geld umgehen werden. Alexander Scheibel, Product Development Lead BNPL bei Riverty (vormals AfterPay) hat die wichtigsten Trends für die Fintech-Branche zusammengefasst – von KI über dezentrale Finanzsysteme bis hin zu Buy-Now-Pay-Later, Embedded Finance und digitaler Souveränität.
Künstliche Intelligenz und Automatisierung
Laut der Studie Riverty Consumer Survey 2025 erwartet knapp jeder vierte Deutsche, dass sich KI innerhalb der nächsten fünf Jahre zu einem zuverlässigen, personalisierten Finanzassistenten entwickelt. KI-Agenten verändern die Finanzbranche und ermöglichen eine nie dagewesene Personalisierung. Chatbots und Robo-Advisors werden immer smarter und übernehmen zunehmend komplexere Aufgaben, die sich nicht über einfache Nutzeroberflächen lösen lassen. Sie verstehen individuelle Ziele, Gewohnheiten und emotionale Zustände und unterstützen Endkunden bei alltäglichen Finanzentscheidungen – etwa beim Einkauf oder bei der Budgetplanung.
Für 2026 prognostiziert Alexander Scheibel erste Schritte der KI als persönlicher Einkäufer. Der gesamte Agentic Commerce wird vor allem durch Unternehmen aus den USA erste Use Cases finden. In Europa werde man vorerst sehen, wie Search und Recommendations durch KI übernommen werden. Die Bezahlungsflows sieht Scheibel vorerst nur in den USA und in einigen asiatischen Ländern, da diese regulatorisch weniger eingeschränkt sind.
Banken und Finanzdienstleister werden den Trend aufgreifen müssen: Von automatisierten Kreditempfehlungen über personalisierte Finanzberatung bis hin zur erweiterten Risikoanalyse kann KI für mehr Effizienz, Sicherheit und Kundenzufriedenheit sorgen.
Dezentrale Finanzsysteme (DeFi)
Laut der Riverty-Studie suchen 38 Prozent der befragten Deutschen die Bank nur zur Klärung eines Problems auf. Physische Banken übernehmen zunehmend eine Rolle im Hintergrund als Infrastrukturanbieter und werden vor allem in kritischen Finanzsituationen für Beratung aufgesucht. An ihre Stelle rücken nun dezentrale Plattformen, – wie PayPal, wero, Apple und Google Wallets – die wie schon lange prognostiziert transparente, flexible und innovative Services bieten.
Dieses Jahr hat das Potenzial, den Weg für DeFi in den Massenmarkt zu ebnen. Nutzer werden 2026 über DeFi-Plattformen nicht nur Vermögenswerte wie Kryptowährungen oder Token direkt handeln können, sondern auch Kredite und Versicherungen abschließen – ohne klassische Banken als Mittelsmann.
Buy Now, Pay Later (BNPL) im Jahr 2026
Die Buy-Now-Pay-Later-Regulierung wird ein Teil der Konsumentenkreditregulierung. Anbieter müssen strengere Bonitätsprüfungen durchführen, transparente Informationen bereitstellen und umfassende Verbraucherschutzvorgaben einhalten. Für Nutzer bedeutet das mehr Sicherheit und Klarheit – etwa durch detaillierte Angaben zu Kosten, Laufzeiten und Risiken sowie standardisierte Widerrufsrechte. Gleichzeitig wird der Checkout-Prozess um zusätzliche Schritte ergänzt, wie verpflichtende Identitäts- und Bonitätsprüfungen, was die Spontanität beim Kauf etwas reduziert, aber das Vertrauen in die Angebote stärkt. Diese Änderungen erhöhen gleichzeitig die Kosten für Händler und Anbieter.
BNPL wird immer standardmäßig in E-Commerce-Plattformen, Apps oder am Point-of-Sale eingebettet und bleibt trotz strengerer Regulierung ein zentraler Treiber für innovative und nutzerzentrierte Zahlungslösungen. Die Zahlungsrealität 2026 ist geprägt von mehr Transparenz, Sicherheit und einer stärkeren Verzahnung von Lending und Payments.
Embedded Finance: Finanzdienstleistungen überall
Finanzdienstleistungen werden noch stärker in alltägliche Anwendungen integriert. Ob beim Shopping oder in Mobilitäts-Apps: Embedded Finance macht es möglich, direkt und nahtlos zu bezahlen, Kredite aufzunehmen oder Versicherungen abzuschließen. Unternehmen setzen gezielt auf Aktivierungsanreize wie Cashback, exklusive Rabatte oder Bonusprogramme, um Konsumenten für neue Embedded-Finance-Angebote zu gewinnen und die Nutzung zu steigern. Der Wettbewerb um die Aufmerksamkeit und Bindung der Nutzer nimmt spürbar zu – Activation Incentives werden weiter steigen und sind ein zentrales Mittel, um sich im Markt zu differenzieren.
Digitale Identitäten und Sicherheit
Mit der zunehmenden Digitalisierung steigen auch die Anforderungen an Datenschutz und Sicherheit. Digitale Identitäten spielen dabei eine zentrale Rolle: Sie ermöglichen eine einfache und zugleich sichere Authentifizierung, sodass Nutzer sich mit wenigen Klicks bei verschiedenen Finanzdienstleistern anmelden können, ohne sensible Daten mehrfach eingeben zu müssen. Solche Lösungen werden zum Standard, um Betrug zu verhindern, regulatorische Vorgaben zu erfüllen und das Vertrauen der Nutzer nachhaltig zu stärken.
Ein aktuelles Beispiel für diese Entwicklung ist die Einführung der European Digital Identity (EUDI) Wallet. Mit ihrem Rollout, der ab 2026 schrittweise in den EU-Mitgliedstaaten startet, wird erstmals eine europaweit einheitliche, digitale Identitätslösung geschaffen. Mit der EUDI Wallet wird nicht nur der Zugang zu Finanzdienstleistungen vereinfacht, sondern auch ein neuer Standard für Nutzerfreundlichkeit gesetzt. Die EUDI Wallet ist somit ein zentraler Baustein, um die Herausforderungen in einer zunehmend vernetzten Finanzwelt zu meistern.