Kommen jetzt Kostensenkungen bei Online-Brokern?

Anlegen und sparen in Coronazeiten

Direktbanken und Onlinebroker konnten in den letzten Monaten stark von der Coronakrise profitieren. Diese Erfolgswelle ruft natürlich neue Konkurrenz auf den Markt, die für mehr Wettbewerb und konsequenterweise für Kostensenkungen sorgen müsste.

Umsätze steigen in den nächsten Jahren weiter an

Seit einiger Zeit drängen Billigbroker in den deutschen Depot-Markt, die nach US-Vorbild mit kostengünstigem oder sogar kostenlosem Wertpapierhandel werben.

Die Coronakrise lässt beim deutschen Wertpapiermarkt die Umsätze in die Höhe schnellen. Vor allem Onlinebroker profitieren davon. „Covid-19 hat den Brokern in Deutschland einen kräftigen Schub gegeben. Der Wertpapiermarkt ist eines der wenigen Segmente im Privatkundengeschäft, das in den kommenden Jahren noch wachsen wird“, sagt René Fischer, Partner der Strategieberatung Oliver Wyman, der an der Studie zum Online-Brokerage-Markt mitgearbeitet hat.

Laut Studie soll die Zahl der Online-Wertpapiertransaktionen hierzulande künftig um fünf bis sieben Prozent pro Jahr wachsen. Aktuell dürfen sich Broker über eine Milliarde Euro pro Jahr an Ordergebühren und anderen Provisionen freuen. „Bis in fünf Jahren dürfte sich der Wert auf zwei Milliarden Euro verdoppeln“, so Fischer.

Der Druck auf klassische Broker wird stärker

Dieser Erfolg sorgt wiederum für mehr Konkurrenz. Immer mehr Billigbroker wie Trade Republic, Justtrade, Gratisbroker oder Scalable Capital drängen auf den Markt. Dies wird zwangsläufig strukturelle Veränderungen mit sich bringen. „Viele bestehende Geschäftsmodelle werden durch einen anhaltenden Preis- und Kostendruck auf Dauer nicht fortführbar sein“, sagt Philipp Bulis, Brokerage-Experte bei Oliver Wyman. „Einige der etablierten Broker werden ihre Strategie überdenken müssen.“

Heißt konkret: In Zukunft werden die Preise bei Online-Brokern sinken müssen. „Wer bisher Ordergebühren von acht Euro oder sogar mehr verlangt hat, wird sich umschauen müssen, wo langfristig die Erträge herkommen sollen“, sagt Bulis und fügt hinzu: „Der Druck auf die etablierten Anbieter, die Gebühren zu senken, wird spätestens dann kommen, wenn die Billigbroker aus ihrem Nischendasein heraustreten.“

Klassische Broker sehen die Billig-Konkurrenz (noch) gelassen

Aufgrund möglicher Preissenkungen könne man am Markt nur bestehen, wenn aufgrund einer großen Zahl an Transaktionen kosteneffizient gearbeitet und der Kontakt zum Kunden besser genutzt werde – heißt es in der Studie. Zudem müssten Broker zu einem digitalen Anbieter rund um Vermögensfragen werden. „Der Markt für reines Online-Brokerage wird in Deutschland langfristig zu schmal bleiben“, glaubt Bulis.

Klassische Broker sehen das etwas anders. „Wir beobachten, dass neue Anbieter bewusst mit einem eingeschränkten Angebot an den Markt treten. So spielen die klassischen Präsenzbörsen oft gar keine Rolle mehr”, sagt Lars Brennholt, Leiter Brokerage & Finanzplanung bei der Targobank. Hier können Kunden noch an allen deutschen Börsen und bei mehr als 20 Handelspartnern handeln.

Auch bei Maxblue, dem Broker-Angebot der Deutschen Bank, richte man sich laut eines Sprechers an Kunden, die ein breites Service- und Produktangebot bevorzugen – und nicht an Kunden eines Billig-Brokers, die ein eingeschränktes Leistungsangebot für günstige Ordergebühren hinnehmen.

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