Firmeninsolvenzen steigen auf Zehnjahreshoch
Deutsche Banken reagieren mit gezielten Anreizprogrammen auf Rekordzahl an Insolvenzen im Jahr 2025. - Quelle: Shutterstock.com
Deutschland erlebt derzeit eine historische Insolvenzwelle: Im Jahr 2025 wurden laut Statistischem Bundesamt (Destatis) 23.900 Unternehmensinsolvenzen verzeichnet, so viele wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr. Vor diesem Hintergrund intensivieren Fintech-Anbieter ihre Maßnahmen zur Neukundengewinnung. Mit Gebührenbefreiungen, Cashback-Programmen und zeitlich begrenzten Rabatten positionieren sich digitale Banken zunehmend als wirtschaftliche Stabilisatoren für kleine und mittlere Unternehmen (KMU), die unter dem anhaltenden Druck auf Liquidität und Finanzierung leiden.
Mittelstand stark betroffen
Gegenüber 2024 (21.964 Insolvenzen) entspricht dies einem Anstieg von 8,3 Prozent. Bereits im Jahr zuvor hatte sich der Trend mit einem Plus von 23,1 Prozent gegenüber 2023 deutlich verschärft, wie Destatis berichtet. Besonders betroffen ist der deutsche Mittelstand: KMU stellen mehr als 99 Prozent aller Unternehmen, beschäftigen über die Hälfte der sozialversicherungspflichtig Erwerbstätigen und erwirtschaften rund 55 Prozent der gesamten Bruttowertschöpfung. Die steigende Zahl an Unternehmensaufgaben ist Ausdruck einer Kumulation von Belastungsfaktoren, die sich im Laufe des Jahres 2025 weiter zugespitzt haben, darunter restriktivere Kreditvergaben, wachsende administrative Anforderungen und eine anhaltend verhaltene Nachfrage.
Fintechs als Alternative zu klassischen Banken
Vor diesem Hintergrund positionieren sich Fintechs zunehmend als Alternative zu klassischen Bankbeziehungen, die von vielen Unternehmen als schwer zugänglich oder wenig flexibel wahrgenommen werden. Mehrere digitale Banken haben gezielt befristete Angebote für deutsche KMU aufgelegt, insbesondere zum Jahresanfang. Das erste Quartal gilt traditionell als Phase, in der Unternehmen ihre Finanzstrukturen überprüfen und für das neue Geschäftsjahr neu ausrichten.
Der Zeitpunkt ist kein Zufall: Er spiegelt einen strukturellen Wandel im Markt für Finanzdienstleistungen wider; Fintechs schließen zunehmend Lücken, die traditionelle Banken in der Mittelstandsfinanzierung hinterlassen haben.
„Wir beobachten, dass Unternehmen, die die Pandemie und die Hochinflationsphase überstanden haben, heute an grundlegenden Dingen wie dem Zugang zu Bankdienstleistungen scheitern“, erklärt Alex Goncharenko, Head of Credit Programs bei der digitalen Bank Finom: „Wenn ein Betrieb mit 15 Mitarbeitenden und realer Wertschöpfung keine Kreditlinie erhält, ist das kein individuelles Problem, sondern ein systemisches. Finanzdienstleistungen müssen für die Unternehmen funktionieren, die tatsächlich das Rückgrat der Wirtschaft bilden.“
Anreize von digitalen Banken für Geschäftskunden
Die Entwicklung ist branchenweit sichtbar. Der verschärfte Wettbewerb zeigt sich in einer Vielzahl neuer Anreizmodelle:
- Finom, das mehr als 200.000 Unternehmen in Europa betreut, hat nach der Einführung von Kreditlinien für Kunden in Deutschland und den Niederlanden neue Aktionspakete gestartet, darunter Gebührenbefreiungen, attraktive Startgutschriften und transaktionsbasierte Prämien.
- Qonto gewährt Neukunden auf ausgewählten Geschäftskonten kostenfreie Abonnementzeiträume und setzt auf Empfehlungsprogramme für Bestandskunden.
- N26 setzt auf Referral-Initiativen, bei denen sowohl neue als auch bestehende Kunden profitieren.
- Comdirect bietet Prämien für neue Geschäftskonten, sofern innerhalb der ersten Monate definierte Umsatz- oder Transaktionsschwellen erreicht werden.
- Trade Republic lockt Neukunden zeitlich begrenzt mit Beteiligungsangeboten, gekoppelt an Mindesteinlagen und Aktivitätsanforderungen.
- Tomorrow wirbt mit erhöhten Zinsen auf Sparprodukte für neu eröffnete Konten im Aktionszeitraum.
Für deutsche KMU bedeutet diese Entwicklung einerseits mehr Auswahl, andererseits auch einen höheren Bewertungsaufwand bei der Wahl geeigneter Finanzpartner. Die meisten Angebote sind an konkrete Nutzungsbedingungen geknüpft, etwa Mindestumsätze oder regelmäßige Transaktionen, und setzen auf reale Geschäftsausgaben statt auf reine Bargeldanreize.