Zu viele deutsche Banken

Deutschland wird um drastischen Banken-Abbau nicht herumkommen

Deutschland gilt als Land der vielen Banken – 1.600 gibt es davon in der Bundesrepublik. Und genau das könnte dem Bankensektor nun zum Verhängnis werden. Eine radikale Kürzung droht.

Die Deutsche Bank räumt radikal auf

Bei der Deutschen Bank wurden bereits tausende Mitarbeiter entlassen.

Die Bankenbranche befindet sich im Umbruch. Das wurde vor allem Anfang Juli deutlich, als die Deutsche Bank an einem Montagmorgen kurzerhand tausende Mitarbeiter in den USA, London sowie Hongkong und Singapur vor die Tür setzte.

Bereits in den letzten Jahren hat die Deutsche Bank durch zahlreiche Umwälzungen immer wieder versucht, sich eine neue und erfolgreichere Strategie aufzuerlegen. So mussten mehrere Vorstandschef ihren Poste räumen. Aktuell sitzt Christian Sewing auf dem Chefsessel, der die Deutsche Bank einer Radikalkur unterzieht.

Kleinteiliges Bankensystem wird zum Problem

Banken haben es in der Tat im Moment nicht leicht. Durch die Digitalisierung erledigen immer mehr Bankkunden ihre Geschäfte und Transaktionen von zuhause aus. Hinzu kommen die niedrigen Zinsen und die strenge Regulierung. In Deutschland herrscht zudem noch ganz ein ganz eigenes Problem: Es gibt zu viele Banken. Während der französische Bankensektor zum Beispiel nur von wenigen Großbanken beherrscht wird, gibt es hierzulande 1.600. Allein davon sind 365 Sparkassen und 875 Genossenschaftsbanken. Das macht die Konkurrenz besonders groß.

Aus diesem Grund erwartet die Beratungsfirma Oliver Wyman, dass viele deutsche Banken verschwinden werden. Von den heute 1.600 Häusern könnten in zehn bis 15 Jahren nur noch 150 bis 300 übrig sein.

Deutsche Banken haben sich noch nicht von Finanzkrise erholt

Und auch was die Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Vergleich angeht, schwächeln die deutschen Banken. Während sich Goldman Sachs und JP Morgan nach der Finanzkrise längst wieder erholt haben, sind deutsche Häuser noch immer mit den Aufräumarbeiten beschäftigt.

Stellt sich die Frage, ob die deutschen Banken den Anschluss verlieren. Bankenexperten wie Hans-Peter Burghof von der Universität Hohenheim sehen das nicht so dramatisch. „Eine große Bank ist nicht automatisch auch stark“, sagt er. „Im Gegenteil. Je größer eine Bank wird, desto komplexer wird es, sie zu managen.“

Deutsche Bank will sich auf das europäische Geschäft konzentrieren

Leider lief das internationale Geschäft in den letzten Jahren für die Deutsche Bank nicht so gut. Mit dem Investmentbanking hat das deutsche Traditionshaus zuletzt Verluste gemacht. Auch ein Mithalten mit den US-Investmentbanken war trotz aller Bemühungen nicht möglich.

„Die Deutsche Bank wollte dabei auf globaler Ebene mitspielen“, sagt Volker Brühl vom Center for Financial Studies in Frankfurt am Main. „Bis auf einige Einzelfälle ist ihr das aber nicht gelungen.“ Weiter führt Burghof aus: „Es ist nur konsequent, sich jetzt auf das europäische Geschäft zu konzentrieren.“

Deutsche Bank muss ihren Weg finden

Der aktuelle Vorstandschef Sewing will das Geschäft der Deutschen Bank stärker auf die Firmenkunden lenken. Doch aus dieses Unterfangen dürfte nicht leicht werden. Kleinere Firmen nutzen oft die Angebote der Sparkassen und Volksbanken, die mit ihrer regionalen Nähe punkten. Bei größeren Mittelständlern und Dax-Konzernen steht die Deutsche Bank hingegen in Konkurrenz zu  anderen Großbanken wie der Commerzbank oder den europäischen Häusern BNP Paribas, Credit Suisse und HSBC.

Um langfristig erfolgreich zu sei, muss sich Sewing etwas einfallen lassen. Kosteneinsparungen durch Entlassungen und mehr digitalen Angeboten werden auf Dauer nicht weiterhelfen. „Sewing muss eine Antwort auf die Frage finden, wo künftig die Erträge der Bank herkommen sollen“, urteilt auch Brühl.

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