Das “Buy now, pay later”-Prinzip

Wie der klassische Kauf auf Rechnung – nur moderner

„Buy now, pay later“ heißt ein beliebtes Payment-Angebot, das in Europa bereits seit einiger Zeit erfolgreich ist und nun auch den US-amerikanischen Markt erreicht hat. Was sich hinter dem Begriff verbirgt und welche Anbieter es auf dem Markt gibt, haben wir in diesem Ratgeber für Sie zusammengefasst.

Das Katalog-Prinzip aus den 90er wird modernisiert und gepimpt

Lange galt die Zahlungsmethode Rechnungskauf als langweilig. Doch Fintechs wie Klarna und Afterpay haben dem Prinzip „Buy now, pay later“ zu einem regelrechten Boom verholfen.

„Buy now, pay later“ (BNPL) heißt auf Deutsch nichts anderes als jetzt kaufen und später bezahlen. Dabei handelt es sich praktisch um eine moderne Bezeichnung für den klassischen Rechnungskauf, wie man ihn unter anderen aus den Quelle- und Otto-Katalogen kannte. Das Prinzip funktioniert wie folgt: Sie bestellen online zum Beispiel eine neue Jacke. Diese wird zu Ihnen nach Hause geliefert. Dort können Sie die Jacke anprobieren und begutachten. Sollte Ihnen das Kleidungsstück nicht passen oder finden Sie Mängel daran, haben Sie die Möglichkeit, die Jacke wieder zurückzuschicken. Zu diesem Zeitpunkt haben Sie noch keinen Cent bezahlt.

Bei einer Retoure geben Sie beim jeweiligen Payment-Anbieter an, dass Sie die Ware zurückgeschickt haben. Daraufhin wird die Rechnung eingefroren. Sobald die Rücksendung beim Online-Händler eingegangen ist, wird der Preis aktualisiert beziehungsweise die Rechnung storniert. Wenn Sie die Ware behalten, haben Sie in der Regel 14 Tage Zeit, um die Rechnung zu begleichen. Dafür fallen keine zusätzlichen Gebühren an. Die Rechnung wird vom Payment-Dienstleister in der Regel per Mail an Sie versendet, sobald die Ware vom Online-Händler losgeschickt wurde.

Vorteile für Kunden und Händler

Kunden profitieren in vielerlei Hinsicht von dem Rechnungskauf 2.0. Sie können sich die Ware erst in Ruhe ansehen, bevor Sie diese zahlen müssen. Zudem gilt die Bezahlung per Rechnung als sehr sicher, da keine persönlichen Daten wie Kontonummer oder Kreditkartennummer angegeben werden müssen.

Auch der Online-Händler profitiert vom Später-kaufen-Prinzip. Zum einen kann er die Rechnungsabwicklung komplett an einen Dienstleister auslagern, zum anderen gewinnt er somit neue Kunden. Online-Händler, die einen Kauf auf Rechnung anbieten, wirken seriös. Aus Gastbestellern können so Stammkunden werden. Zudem ist die Abbruchquote während des Bestellvorgangs deutlich geringer als bei Shops, die keinen Kauf auf Rechnung anbieten.

Aufgeschobene Zahlungen sind nicht aufgehoben

Was bequem und praktisch klingt, hat aber auch eine Schattenseite. Denn „Buy now, pay later“ ist nichts anderes als ein revolvierender Kredit. Wenn Sie den Rechnungsbetrag auf einmal und innerhalb der Frist begleichen, ist in der Regel alles gut. Sollten Sie einen Aufschub brauchen oder von den angebotenen Ratenzahlungen Gebrauch nehmen, warten hohe Sollzinsen von bis zu 15 Prozent auf Sie. Zudem kann für den flexiblen Ratenkauf eine monatliche Gebühr berechnet werden. Versäumen Sie die Bezahlung kommen noch Mahngebühren obendrauf. Daher sollten Sie immer im Hinterkopf behalten: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Bezahlen Sie Ihre Rechnungen fristgerecht und wenn möglich immer in einer Rate.

Identitäts- und Bonitätsprüfung

Wer auf Rechnung bezahlt, muss in der Regel eine Bonitätsprüfung in Kauf nehmen. Damit soll zum einen sichergestellt werden, dass die angegebenen Daten korrekt sind. Zum anderen soll vor allem beim Ratenkauf so eine mögliche Überschuldung verhindert werden. Dadurch wird eine Bonitätsprüfung bei einer Wirtschaftsauskunftei durchgeführt.

JUNGE ZIELGRUPPEN NUTZEN BNPL

Zahlreiche Studien zum Thema BNPL zeigen, dass die Altersgruppe der 18- bis 34-Jährigen (GenZ und Millennials) bis zu 70 Prozent der BNPL-Nutzer ausmacht. Es liegt in der Natur der Sache, dass vor allem junge Zielgruppen größere Herausforderungen haben, ihre Liquidität sicherzustellen. Mit BNPL erhalten diese Nutzer einen einfachen Zugang zum Raten- und Rechnungskauf. In Deutschland wird mittlerweile jede fünfte Online-Bestellung über BNPL abgewickelt. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern ist das Später-Bezahlen-Prinzip hierzulande und in Schweden am weitesten verbreitet. Laut Branchenexperten wächst die Zahl der Nutzer weltweit um rund 30 Prozent pro Jahr.

„Buy now, pay later“-Anbieter im Überblick

Afterpay

Afterpay ist ein australischer Payment-Anbieter, bei dem Sie als Kunde die Rechnung per Überweisung, Lastschrift oder Ratenzahlung begleichen können. Den aktuellen Zahlungsstatus können Sie jederzeit unter MyAfterPay einsehen.

Hierzulande ist Afterpay noch weniger bekannt. Im vergangenen Geschäftsjahr generierte das Unternehmen aber umgerechnet 318 Millionen Euro Umsatz – eine Steigerung von knapp 100 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Laut eigenen Angaben verzeichnet Afterpay mittlerweile 9,9 Millionen aktive Kunden.

Billpay

Billpay gehört mittlerweile zur Klarna Group Company. Auch hier können Sie die Rechnung per Überweisung, Lastschrift oder in drei bis 24 Monatsraten bezahlen.

Klarna

Der schwedische Konzern Klarna ist in Europa mit 1,08 Milliarden Dollar Umsatz (2020) der Platzhirsch auf dem BNPL-Markt. Bewertet wird Klarna mittlerweile mit rund als 70 Milliarden Dollar. Bei Klarna können Sie die Rechnung per Überweisung begleichen. Ein Ratenkauf wird ebenfalls angeboten. Ab einem Betrag von 200 Euro müssen Sie mit dem Dienstleister einen Ratenkaufvertrag abschließen.

Paypal

Paypal bietet zwar keinen Rechnungskauf, dafür aber die Möglichkeit zur Ratenzahlung an. Ab einem Bestellwert von 99 bis 5.000 Euro können Sie den Betrag in zwölf Monatsraten abstottern. Der  effektive Jahreszins liegt bei 9,99 Prozent und der feste Sollzinssatz bei 9,56 Prozent. Eine Sondertilgung oder eine vorzeitige Rückzahlung ist jederzeit und ohne zusätzliche Gebühren möglich. In Ihrem PayPal-Konto haben Sie die Ratenzahlung immer im Blick. Weiter Pluspunkt: Auch bei der Option „Zahlung auf Rate“ profitieren Sie vom Paypal-Käuferschutz.

Unzer Payments

Unzer Payments bietet E-Commerce-Händlern die Möglichkeit, Rechnungskauf, Ratenzahlung, SEPA-Lastschrift und Direktüberweisung als eine White-Label-Lösung anzubieten. Unzer Payments gehört zu Unzer, einem Fintech, das bis vor kurzem noch unter dem Namen Heidelpay bekannt war.

Mit einem Großinvestor an der Seite will der Zahlungsdienstleister zu einem der Top-Anbieter in Europa aufsteigen. 2019 stieg der Finanzinvestor KKR mehrheitlich in das Unternehmen mit ein. Dafür hat KKR 600 Millionen Euro hingelegt. 2020 peilt Unzer einen Umsatz von über 100 Millionen Euro an. Laut eigenen Angaben wickelte der Zahlungsdienstleister 2019 für rund 30.000 Händler rund sieben Milliarden Euro Transaktionsvolumen ab.

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