Stocard: Bald eine Super-App nach asiatischem Vorbild?

Björn Goß, der Co-Gründer von Stocard, im Interview

Nicht nur in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt gehören Karten, mit denen Kunden Bonuspunkte sammeln und Rabatte erhalten können zum Standard-Marketing-Tool großer Unternehmen. Der Geldbeutel fleißiger Punktesammler ist häufig mit Plastikkarten überfüllt. Bereits 2011 erkannten drei Absolventen der Uni Mannheim diese Problematik und brachten mit Stocard eine App auf den Markt, in der sich alle Kundenkarten-Bonussysteme abbilden lassen. Mittlerweile kann die App sehr viel mehr und schickt sich an, etablierten Banking- und Payment-Playern Paroli zu bieten. Wir sprachen mit Björn Goß, dem Co-Founder von Stocard, über die Expansionspläne der Finanz-App.

15.01.2021

Björn Goß, Co-Founder von Stocard. - Quelle: Stocard

Herr Goß wie lässt sich die Stocard App Otto Normalverbraucher am Besten erklären? Was ist der Vorteil, wenn man die App auf seinem Smartphone hat?

Stocard ist das führende europäische Mobile Wallet. Weltweit setzen bereits über 50 Millionen Nutzer auf unsere App. Der Grund weshalb so viele Menschen Stocard lieben, ist, dass wir unseren Nutzern ein ganzheitliches, digitales Einkaufserlebnis bieten möchten. Unsere Kunden haben einerseits alle ihre Kundenkarten, die sonst die physische Geldbörse nur dicker und dicker machen, in ihrem Stocard-Wallet und können bequem und intuitiv in jedem Geschäft von Rabatten und Vorteilen profitieren. Darüber hinaus kooperieren wir mit den größten Händlern Europas. So können Konsumenten immer die neuesten Angebote ihrer Lieblingshändler einsehen, Coupons mit nur einem Klick aktivieren und beispielsweise ihre Punktestände bei Loyalty-Programmen einlösen – alles in einer App. Wir entrümpeln also nicht nur die physischen Portemonnaies, sondern auch das Smartphone. Unter dem Strich sparen Stocard Kunden so mehr als mit jeder anderen App oder Karte.

Stocard hat vor kurzem die Bezahlfunktion „Stocard Pay“ in Deutschland, Frankreich, Italien und den Niederlanden gestartet. Wie funktioniert „Stocard Pay“? Welche Möglichkeiten bietet die neue Funktion?

Selbstverständlich gehört auch das Bezahlen zum Einkaufen dazu. Mit Stocard Pay erweiterten wir nun kürzlich das ganzheitliche End-to-End-Shopping-Erlebnis unserer App. Das Smartphone wird so zur zentralen Drehscheibe in unserem Leben für alles was Geld, Einkaufen und Bankgeschäfte betrifft.

Weltweit nutzen Menschen Stocard für ihren täglichen Einkauf vom Supermarkt über Drogerie bis hin zum Modegeschäft oder Möbelkauf. Insgesamt werden über 1,7 Milliarden POS-Transaktionen pro Jahr mit Stocard durchgeführt. Um unseren Nutzern ein noch nahtloseres Shopping-Erlebnis zu ermöglichen, war eine Zahlungsfunktion der nächste logische Schritt.

Nutzer können sich mit Stocard Pay in nur wenigen Schritten eine virtuelle Mastercard direkt in ihrer App erstellen. Das dauert nur eine Minute und funktioniert völlig digital, ohne Papierkram. Einmal eingerichtet können User weltweit gebührenfrei in allen Währungen bezahlen und zwar fernab von teuren Wechselkursgebühren.

Für ein nahtloses Benutzererlebnis greifen Kunden mit Android-Gerät direkt in der Stocard-App auf die virtuelle Zahlungskarte zu. Auf iOS-Geräten wird die virtuelle Karte im Apple Wallet hinterlegt und kann über Apple Pay genutzt werden.

Der Stocard-Account kann per IBAN oder allen gängigen Debit- und Kreditkarten aufgeladen werden. Dank der Auto-Top-Up-Funktion müssen die Nutzer ihr Konto nicht manuell aufladen – die App erledigt das automatisch für einen. Denn fällt der Saldo nach einer Zahlung unter einen frei wählbaren Betrag, wird das Stocard-Konto automatisch mit der gewünschten Zahlungsmethode und Betrag aufgeladen.

Die Stocard App wird für den Endkunden kostenfrei angeboten. Wie verdient das Unternehmen Stocard GmbH Geld?

Wir arbeiten mit den größten und innovativsten Händlern Europas zusammen, die in unsere Retail-Plattform integriert sind und ihren Kunden darüber Mehrwerte anbieten können. Für Einzelhändler bildet Stocard dadurch einen wertvollen direkten Draht zum Kunden – auch wenn dieser gerade nicht persönlich im Laden oder an der Kasse steht. Durch diese Partnerschaft mit den Händlern verdient Stocard Geld. Mit dem Launch von Stocard Pay erweitern sich die Erlösquellen außerdem auf die Interchange-Gebühren, wie es auch bei Banken und anderen Herausgebern von Karten ist. Dadurch stellt auch die Expansion, sei es in andere Märkte oder in Bezug auf die Anzahl der Stocard Nutzer, für uns keinen großen Kostenfaktor dar. Unser Business Modell ist höchst rentabel skalierbar.

Wie sehen die weiteren Expansionspläne von Stocard für dieses Jahr aus? Welche weiteren Features sind für die Zukunft geplant?

Wie bereits erwähnt nutzen heute mehr als 50 Millionen Menschen Stocard für ihre täglichen Einkäufe. Im vergangenen Jahr haben wir trotz aller Turbulenzen, die die Welt und die Fintech-Szene erschüttert haben, Stocard Pay in fünf Ländern gelauncht: zuerst in Großbritannien, anschließend in Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Italien.

Den Rollout in weitere Länder werden wir dieses Jahr fortsetzen und für unsere Handelspartner weitere Produkte entwickeln, welche das Einkaufserlebnis weiter digitalisieren. Zudem wollen wir schon in absehbarer Zukunft Stocard Pay umfassend erweitern. Ohne bereits zu viel verraten zu können: Wir arbeiten hart daran, die Vision eines mobilen Wallets, der alle Funktionen rund um Banking und Einkaufen vereint, innerhalb der kommenden Monate und Jahre wahr zu machen.

Wie viele User hat Stocard aktuell weltweit? Aus welchen Ländern kommen die meisten Nutzer?

Weltweit nutzen schon über 50 Millionen Kunden Stocard – konzentriert auf Europa, über Kanada und Australien. In unserem Heimatmarkt Deutschland zählen wir 2,5 Millionen Nutzer. In Europa gibt es zahlreiche Länder, in denen bis zu 20 Prozent der Bevölkerung Stocard für ihren täglichen Einkauf nutzen. Im Bezug auf absolute Zahlen ist zum Beispiel Italien - auch weil es eines der bevölkerungsreicheren Länder Europas ist - ein starker Markt, mit mehr als 8 Millionen Konsumenten, die Stocard nutzen.

Wo steht Deutschland im Vergleich zu China, was den Einsatz des Smartphones als Bezahl-Instrument anbelangt?

Die Konsolidierung von Einkäufen, Zahlungen und anderen Finanzdienstleistungen in einem Mobile Wallet, wie wir es in Asien beobachten, wird wahrscheinlich auch in Europa in nicht allzu ferner Zukunft stattfinden. Der Launch von Stocard Pay war daher ein erster wichtiger Schritt auf unserem Weg, die Zukunft des Einkaufens und der Bankgeschäfte mitzugestalten. Auch und gerade aufgrund der COVID-19-Pandemie ist das Thema Mobile Payments noch stärker in den Fokus der Deutschen gekommen. Erst kürzlich zeigte eine Umfrage der Bitkom, dass bereits 39 Prozent der Befragten im Zeitraum von September bis November 2020 mindestens einmal mit dem Smartphone oder der Smartwatch bezahlt haben.

Der Mobile Wallet wird auch in Europa immer mehr zur zentralen Drehscheibe in unserem Leben für alles was Geld, Einkaufen und Bankgeschäfte betrifft. Zusätzlich sehen wir erste Bewegungen im Bereich digitaler Führerschein und Personalausweis. Gerade in Sachen Fintech ist der deutsche Markt stark. Das Potenzial ist riesig! Der Wallet, der verschiedene Finanzdienstleistungen auch von verschiedenen Anbietern vereint, wird die Zukunft sein und nicht die klassische Universalbank. Daher werden wir in diesem Bereich schon in diesem Jahr in Europa große und spannende Schritte sehen und allen voran auch machen.

Herr Goß, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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